TANAS war eine Initiative der Vehbi Koç Stiftung
2008 – 2013
TANAS talks
Führungen, DIALOGE
ENGLISH
TANAS   RÜCKSCHAU
 

2013


 
Veysi (*1993) , Asil (*1996) und Burak (*1994)  mit den Genre gerechten Künstlernamen V.Z., Slang, und Zen-G mögen zwar mit amerikanischem Hip-Hopper-Gebaren auftreten, ihre Texte bewegen sich aber zeitlich und geographisch unmittelbar in Istanbul. Der Name der 2008 gegründeten Band setzt sich zusammen aus den Wörtern für Zerstörung/Abriss (Tahribat) und Aufstand (Isyan). Selbsterklärend, wenn man weiß, dass zwei von ihnen aus Sulukule stammen, einem Viertel in Istanbul, in dem die Jahrhunderte alte Kultur der dort ansässigen Roma samt Häusern und Bewohnern in den letzten Jahren der Stadterneuerung zum Opfer fiel. Eine „Säuberung" im Sinne der Investoren, die leider erst durch einen Gerichtsbeschluss für unrechtmäßig erklärt wurde, als es für die meisten Familien bereits zu spät war. Dieses Schicksal, das zahlreiche andere Viertel in Istanbul ereilte und noch ereilen wird, inspirierte mitunter das Motto der diesjährigen Istanbul Biennale Mutter, bin ich ein Barbar?  Eine Entwicklung, die auch in der Ausstellung mit dem bezeichnenden Titel Agoraphobia (24.05-27.07.2013) von Biennale-Kuratorin Fulya Erdemci in den Räumen von TANAS thematisch Widerhall fand.

Die erschütternden Bilder der gegen die eigene Bevölkerung gerichteten Polizeigewalt diesen Sommers noch vor Augen, erscheint die Szene aus Wonderland, in der die wütenden jungen Rapper einen Polizisten anzünden, fast wie ein Vergeltungsakt. Tatsächlich aber hatte Halil Altındere das Video mit Tahribad-i Isyan bereits im Februar diesen Jahres gedreht, also Monate vor dem Ausbruch der Gezi-Proteste. Altındere, der bei TANAS u.a. mit einer Werkschau 2012 zu sehen war, setzt sich seit jeher ironisch und subversiv mit Widersprüchen in Staat und Gesellschaft auseinander.

TANAS eröffnete 2008 mit der Ausstellung KÜBA, in der Kutluğ Ataman sich mit einer Gecekondu-Siedlung in Istanbul beschäftigte. Dabei übergab er in 40 Interviews den Bewohnern - darunter Arbeitslosen, Müttern, Kriminellen und auch wütenden Teenagern -  das Wort. Nicht nur damit spannt sich ein Bogen zu Tahribad-i Isyan.

Gleichzeitig begleitete Musik stets das Schaffen des TANAS Gründers und Kurators René Block, sei es in intensiver Aus-einandersetzung mit Klangkunst oder in der Wahl seiner Aus-stellungstitel mit Anspielungen auf berühmte Kompositionen.
In diesem Sinne ist es nur konsequent, dass es kein sang- und klangloses Ende geben wird: Mit dem Konzert von Tahribad-i Isyan aus Istanbul verabschiedet sich TANAS laut, unzensiert und auf türkisch.

















Halil Altındere, WONDERLAND, Februar 2013, Video, 8:25min, Courtesy of the Artist and Pilot Gallery

 

2012

 

2011

 

2010

 

2009

 

2008

© TANAS, 2008 IMPRESSUM