TANAS war eine Initiative der Vehbi Koç Stiftung
2008 – 2013
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TANAS
DER ORT

Die türkische Kunst- und Kulturszene hat sich, besonders in Istanbul, in den letzten Jahren rasant entwickelt. In den 1980er Jahren haben junge türkische Künstler den Bruch mit der traditionellen Kunst ihres Landes vollzogen, zunächst unbeachtet von der Öffentlichkeit im eigenen Land und der globalen Kunstszene. Nach Jahren der Isolation meldete sich diese Künstlergeneration in den 1990er Jahren auch international zu Wort und setzte politisch engagiert, ästhetisch radikal und mit neuen bildnerischen Argumenten maßgebliche Zeichen. Auch die seit 1987 bestehende Istanbul Biennale erfuhr in dieser Zeit zunehmend an Bedeutung und hat seither einen hohen Stellenwert für die zeitgenössische Kunst, nicht nur in der Türkei. Mit der Biennale von Istanbul wurde die Bildung eines lokalen und internationalen Netzwerks in Gang gesetzt, dessen Ausformung nach wie vor in erster Linie von Privatpersonen und privaten Stiftungen vorangetrieben wird. Einige große Unternehmen und Bankhäuser haben neue Ausstellungsorte eingerichtet, wie etwa Borusan, PROJE 4L, oder Platform Garanti, aus der das Ausstellungshaus SALT entstand, sowie die Kunsthalle ARTER der Vehbi Koç Foundation, die alle ausdrücklich eine Plattform für die Diskussion neuer und avantgardistischer Tendenzen bilden. Neben dem 2003 eröffneten Museum Istanbul Modern entstanden SantralIstanbul, ein der Bilgi-Universität angegliedertes Kultur- und Bildungszentrum, sowie das Sabanci Museum. Um die Jahrtausendwende sprach man angesichts dieser Entwicklung, durch die Gründung zahlreicher progressiver Galerien noch verstärkt, sogar vom "Wunder von Istanbul". Zahlreiche Ausstellungen belegen dieses Phänomen, das nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Diskussionen um die EU-Erweiterung damals für besonders hohe Aufmerksamkeit gegenüber zeitgenössischer Kunst aus der Türkei gerade im deutschsprachigen Raum sorgte.

Mit der Kunsthalle TANAS wurden die fortlaufenden Entwicklungen der zeitgenössischen türkischen Kunst weiter verfolgt und in Berlin präsentiert – in enger Zusammenarbeit mit türkischen Kulturschaffenden und unabhängig von repräsentativen Pflichten. TANAS verstand sich als Plattform der kontinuierlichen Auseinandersetzung und regelmäßigen Interaktion von türkischen Künstlern und Kuratoren mit dem deutschen und internationalen Publikum. Berlin bildete hierfür den idealen Standort, hinsichtlich der hiesigen Kulturlandschaft wie auch der gesellschaftlichen und politischen Implikationen. Nicht zuletzt verbindet Istanbul und Berlin seit 1989 eine Städtepartnerschaft, in deren Rahmen durch Stipendienprogramme und Kooperationen kultureller Institutionen ein vielfältiges Beziehungsgeflecht im Bereich der Kunst entstanden ist.


TANAS, Heidestr. 50, Aufgang 2, 1. Stock, 10557 Berlin
Foto: Uwe Walter/Berlin


Der nichtkommerzielle Projektraum TANAS wurde von René Block betreut, der damit seine langjährige Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst aus der Türkei fortführte. Bereits 1994 zeigte er mit Iskele. Türkische Kunst Heute (ifa-Galerie, Stuttgart) einen Überblick über eine damals noch unbekannte Szene. 1995 setzte er unter dem Titel Orient/ation neue Maßstäbe für die Istanbul Biennale, 1998 folgte die Ausstellung Iskorpit - Aktuelle Kunst aus Istanbul (Haus der Kulturen der Welt, Berlin). Von 2007 bis 2011 war René Block zudem mit der Herausgabe einer Reihe von Monografien über türkische Künstler beim YKY Verlag, Istanbul, sowie einer Serie von Ausstellungen mit dem Titel „Adventure Istanbul“ für die Kazim Taskent Sanat Galerisi betraut.

TANAS entstand in enger Zusammenarbeit mit der Vehbi Koç Foundation in Istanbul und wurde auch aus Mitteln der Stiftung finanziert. Sie fördert Projekte im edukativen, sozialen und kulturellen Bereich und gründete 1980 mit dem Sadberk Hanim Museum das erste private Museum der Türkei. Das Wort TANAS ist ein Anagramm von Sanat, dem türkischen Wort für Kunst.

© TANAS, 2008 IMPRESSUM